Die 1960er

In den 60er Jahren erlebte die Automobil-Konjunktur einen großen Aufschwung. Das Auto wuchs über das Status- und Standessymbol hinaus. Da konnte es natürlich nicht lange dauern, bis selbst der „kleine Mann“ versuchte, seine neue Errungenschaft für mehr als nur die eigentliche Zweckbestimmung, nämlich um bequem von A nach B zu gelangen, einzusetzen.

1966 war es also, als der Brühler Ernst Zilliken auf die Idee kam, in Brühl einen Motorsportclub zu gründen, in der (schon damals!) wahren Erkenntnis, dass Sport im Verein am Schönsten ist.

Logo Scuderia Augustusburg BrühlIm Sommer des gleichen Jahres, genau am 1. Juni 1966 konnte er dann endlich mit anderen Brühler Motorsport-Interessierten in der noch heute bestehenden Gaststätte „Am Wasserturm“ in Brühl-West die Gründungsversammlung der „Scuderia Augustusburg Brühl e.V.“ eröffnen. Enthusiastisch, wie schon die Gründer unseres Clubs damals waren, hatte man sich in Erinnerung an die großen italienischen Rennställe den Namen „Scuderia“ (= Rennvereinigung, ital.) zugelegt.

Die Aktivitäten und motorsportlichen Veranstaltungen der „Scuderianer“ ließen nicht lange auf sich warten. Neben der Orientierungs-Rallye „Clemens-August“ war der Renn-Slalom um die „Brands-Hatch-Trophy“ ein wahrhaftiger „Renner“ und ist vielen Brühlern sicher noch in guter Erinnerung. Schaut man noch heute in die damaligen Starterlisten, so findet man dort so bekannte Namen wie Hannelore Werner und Rolf Stommelen, der allen auch nur wenig Motorsport-Interessierten noch sehr gut im Gedächtnis ist. Zwischenzeitlich hatte man es außerdem erreicht, den Status eines ADAC-Ortsclubs zu erhalten.

Die 1970er

Der Erfolg und die Begeisterung wurden jedoch jäh getrübt, als sich Anfang der 70er-Jahre die Energiekrise besonders auf den Motorsport negativ auswirkte. Schwindendes allgemeines Verständnis für dieses Hobby und noch weniger motorsportliche Genehmigungen durch die Behörden drohten der Scuderia „das Genick“ zu brechen. Nicht zuletzt schwindende Mitgliederzahlen gefährdete ernsthaft die weitere Existenz des einst so erfolgreichen und über die Regionalgrenzen bekannten Clubs. In dieser prekären Situation bot der Brühler Turnverein 1879 e.V. seine rettende Hand an und nahm die „Scuderia“ als Abteilung zu sich auf. Damit war der Fortbestand des Clubs gesichert und das Schlimmste überwunden. Der Status als „ADAC-Ortsclub“ konnte glücklicherweise beibehalten werden.

Ende der 70er-Jahre wurde die erneute positive Entwicklung des Clubs abermals von der allgemeinen steigenden Auto-Konjunktur getragen. Motorsport wurde wieder „salonfähig“ und die Mitgliederzahlen sowie die Erfolge der aktiven Fahrer stiegen wieder. Dadurch zählte der Club zeitweise 100 Mitglieder.

Überhaupt haben die Fahrer der Scuderia zu jeder Zeit neben den erfolgreichen Veranstaltungen maßgeblich zum Bekanntheitsgrad des Clubs beigetragen. Schon damals waren die Interessen und Betätigungsfelder der einzelnen Fahrer und Teams vielfältig. Willi Kleesattel und Egon Meurer waren in der „Deutschen Rallye-Meisterschaft“ lange unter den ersten in ihrer Klasse und unter den besten 20 in der Gesamtwertung zum Jahresabschluss. Hans-Werner Hilger und Wolfgang Jacobs steuerten überaus erfolgreich zunächst einen BMW 1602 und später einen VW Scirocco in der „Tourenwagen-Europameisterschaft“ auf die vordersten Plätze. Einer ihrer sportlichen Höhepunkte war zweifelsohne der Klassengewinn auf dem Salzburgring 1981, mit dem sie dem Volkswagenwerk wertvolle Punkte in der Markenwertung bescherten.

Heute

Heute ist das sportliche Betätigungsgeld der Aktiven noch weitaus größer und deckt fast die ganze Palette motorsportlicher Einsatzmöglichkeiten ab; hierzu gehören zur Zeit: Rallyes, Leistungsprüfungen, Slaloms, Langstreckenrennen, Sprintpokale, Kart-Sport und natürlich auch die wertvollen und unersetzlichen, aber leider viel zu selten genannten Service-Dienste von Clubkameraden bei den einzelnen Rennteams. Eine Menge Spaß für die Aktiven und eine große Bereicherung für die Clubmeisterschaft brachte die im Jahre 2000 neu eingeführte Indoor-Kart-Serie der Scuderia.

Der hohe Bekanntheitsgrad der Scuderia über die Brühler Grenzen hinaus wurde nie alleine von einigen wenigen Spitzenfahrern getragen. Die Mannschaftserfolge waren und sind Teamarbeit, die sich in mehr als 100 Mannschaftspokalen, über 1000 Einzelpokalen und einer respektablen Erfolgsliste dokumentieren.

Begleitet werden die fahrerischen Aktivitäten von einer Veranstaltungsserie, die im Umfang und Spektrum für jeden etwas bietet: einmal im Jahr veranstaltet die Scuderia auf der berühmt-berüchtigten Nordschleife des Nürburgringes (von eingefleischten Piloten auch „grüne Hölle“ genannt) sowohl ihre alljährliche Leistungsprüfung und eine Gleichmäßigkeitsprüfung mit einem großen Starterfeld. Jedes Jahr im Herbst geht die Scuderia „auf Tournee“. Im September sind wir mit dem Bergrennen in Insul zu Gast und am zweiten November-Wochenende steht das Ahrtal wegen der Rallye Köln-Ahrweiler zwischen Mayschoß und Nürburgring „Kopf“.

Ein besonderes Kapitel war Ende der achtziger Jahre die Einrichtung einer Jugend-Kart-Gruppe. Sie umfasste lange Zeit rund 20 Jugendliche im Alter von 8 bis 18 Jahren. Alle 14 Tage trainierte man mit 2 clubeigenen Karts auf dem Parkplatz des Eisenwerkes in Brühl. Im Wechsel dazu ging die „Truppe“ im Sommer alle 14 Tage „auf Tournee“. Dann fuhren auch die jüngsten Scuderia-Mitglieder bei verschiedenen Kart-Turnieren in Nordrhein-Westfalen um Sieg, Plätze und Punkte.

Seit 1999 gibt es die Jugend-Kart-Gruppe leider nur noch auf dem Papier. Viele Eltern dachten, das sei eine „Kinderverwahranstalt“ und hatten keine Lust, sich für ihren eigenen Nachwuchs zu engagieren. Manche Jugendliche wuchsen auch einfach altersmäßig aus der Gruppe hinaus. Einen bezahlten Trainer gab es nie, bis dahin war die Betreuung von hohem persönlichen Engagement getragen worden. Lange Jahre machte dies unser Clubmitglied Dieter Grün, dem wir an dieser Stelle hierfür ganz herzlich danken.

Anfang der neunziger Jahre gab es an der Spitze der Scuderia einen Wechsel. Der langjährige und verdiente Vorsitzende Klaus Henkels legte sein Amt nieder, um privat andere Schwerpunkte zu setzen. Sein Nachfolger wurde der bis dato stellvertretende Vorsitzende und Sportleiter Hans-Werner Hilger und dessen neuer Stellvertreter, der inzwischen leider verstorbene Rolf Chamier.

1994 konnte die Scuderia endlich ihr neues Clubheim an der Fischenicher Straße einweihen. Nachdem man das städtische Clubheim in der Gartenstraße wegen der Unterbringung von Asylbewerbern hatte räumen müssen, hatte der Verein sich als Ausweichmöglichkeit über Jahre nur in einem Bistro im Brühler Zentrum treffen können. Seitdem hat das Clubleben sowohl von der Zahl der geselligen Veranstaltungen, als auch von der Zahl der Mitglieder stetig Aufschwung genommen.

Damit hatte 1994 die Scuderia an Neuerungen aber nicht genug. Die berühmte Rallye Köln-Ahrweiler, jahrelang eine ADAC-Veranstaltung, war dort „zu den Akten“ gelegt worden. Schade eigentlich, dachte man sich bei der Scuderia und rief die Veranstaltung neu ins Leben. Mit der Unterstützung von 30 weiteren Vereinen, Ortsfeuerwehren und Helferclubs, dem ADAC und an den Veranstaltungstagen bis zu 1000 (!!!) Helfern hat die „Köln-Ahrweiler“ nun wieder „festen Boden unter den Füßen“.

1995 wurde dann das Veranstaltungsprogramm nochmals erweitert. Im September startete das erste Scuderia-Bergrennen in Insul. Der Erfolg bestätigte das Konzept und das Bergrennen hat sich inzwischen ebenfalls einen festen Platz im Scuderia-Terminkalender gesichert. 2004 richtet die Scuderia mit dem Bergrennen erstmals einen Lauf zur Deutschen Meisterschaft aus.

Im Juli / August wird der Club auf dem Parkplatz des Brühler Eisenwerkes wieder den traditionellen Autoslalom, u.a. mit Wertung für den begehrten VSR-Slalom-Pokal-Rhein-Sieg durchführen. Auch hier wird wieder ein 3-stelliges Starterfeld vor einer wie im Vorjahr gut gesäumten Zuschauerkulisse erwartet. Selten bietet sich die Möglichkeit, guten und fairen Motorsport so nahe vor der Haustür zu erleben.

Flagge vertikalDie aktuellste Entwicklung ist die Anschaffung eines Nachwuchsautos. Mit einem gebraucht gekauften BMW können sogar schon 16- und 17-jährige nach Absolvierung eines Fahrerlehrgangs beim Slalom ins Lenkrad greifen.

Begleitet werden diese sportlichen Höhepunkte von einer großen Zahl gesellschaftlicher und kameradschaftlicher Veranstaltungen über das ganze Jahr. Neben dem allwöchentlichen Clubabend finden jedes Jahr eine Karnevalsfete, ein Grillfest im Sommer mit Freunden auch aus anderen Motorsportclubs, eine Silvesterfete und eine aufwändige Jahresabschlussfeier statt, so dass bestimmt bei keinem Langeweile aufkommt.

Wer Interesse an aktivem Motorsport hat oder vielleicht auch nur einmal „schnuppern“ möchte, ist jederzeit gerne bei der Scuderia Augustusburg Brühl willkommen. Der Club trifft sich jeden Freitagabend um 20.00 Uhr im Clubheim in Brühl, Fischenicher Straße 31. Bei einem regen Erfahrungsaustausch zwischen den Clubmitgliedern gibt es immer die Möglichkeit, den einen oder anderen wertvollen Tipp zum Auf- und Ausbau seines eigenen Wettbewerbsfahrzeuges oder sogar einer ganzen Rennfahrerkarriere aufzuschnappen.

Noch eines zum Abschluss: Sport, und vor allem Motorsport, ist noch immer im Verein am Schönsten !


Hans-Werner Hilger kleinWer nähere Informationen über die Scuderia Augustusburg Brühl und die Möglichkeiten und Aktivitäten haben möchte, die der Club ihm bzw. ihr (weibliche neue Clubmitglieder sind natürlich auch herzlich willkommen!) bieten kann, kann sich auch vorab unverbindlich und jederzeit erkundigen:

Hans-Werner Hilger, Abteilungsleiter
Telefon 0 22 32/3 57 57